Jeder hat Talente und Fähigkeiten!

Der Verein „378 Grad“ bietet seit einem Monat Sport und Gemeinschaft für Jugendliche in Stolzenau an

Menschen zu helfen, Gemeinschaft zu ermöglichen, Zeit zu schenken und Perspektiven aufzuzeigen, das sei ihm einfach wichtig, sagt Willy Bunk. Seit 1994 lebt der 32-Jährige im Landkreis Nienburg, wohnte zunächst in Loccum, jetzt in Stolzenau.

Er stammt aus Rosental in Russland. Mit 19 Jahren begann Bunk seine Ausbildung zum Sozialassistenten, absolvierte eine weitere zum Heilerziehungspfleger. Zur Zeit absolviert er seine dritte Ausbildung zum Diakon. Seitdem Bunk 25 Jahre alt ist, arbeitet er als Streetworker in den Straßen von Stolzenau. „Ich möchte eine Anlaufstelle sein für Jugendliche und ihre Eltern, wenn die Probleme zu groß werden“, sagt er. Seitdem er in Stolzenau lebt, habe er viele Jugendliche kennengelernt, die Höhen und Tiefen des Lebens selbst erfahren und dann bei anderen beobachtet. Doch Bunk ist sich sicher: „Jeder von uns hat Talente und Fähigkeiten, absolut jeder! Man muss sie nur wecken. Das geht am besten in der Gemeinschaft, vor allem bei Jugendlichen“, ist Bunk überzeugt.

Willy Bunk (rechts unten) betreibt seit Jahren Streetworking in Stolzenau. Vor einem Monat gründete er den Verein „378 Grad“, um Jugendlichen zu helfen. © Die Harke

Und genau das ist das Ziel, das Bunk mit seinem im November gegründeten Verein „378 Grad“ verfolgt. „Wir sind mittlerweile sieben Stammmitglierder und verstehen unseren Auftrag als gelebte Nächstenliebe und setzen uns für Menschen ein, die auf Hilfe angewiesen oder benachteiligt sind, denen einfach ein wenig die Perspektive fehlt. Für diese Menschen soll unser Verein ein Rettungsanker sein“, sagt Bunk. Es gehe um Akzeptanz, Wertschätzung und Begegnungen auf Augenhöhe. Ein großer Aspekt der Vereinsarbeit ist die Verbindung aus Sport und Gemeinschaft. Seit einem Monat trifft sich die Gruppe jeden Mittwoch und Samstag um 20 Uhr in der Sporthalle an der Weserkampf in Stolzenau. Wir spielen Fußball, Basketball, machen zusammen Fitness und haben einfach eine gute Zeit zusammen“, erzählt Bunk. Das Prinzip seiner Arbeit: „Wir lassen die Hilfesuchenden nicht zu uns kommen, wir kommen ihnen entgegen, wir kommen zu ihnen. Das ist unser Motto.“

Inzwischen seien jede Woche 15 bis 20 Jugendliche dabei. „Auch am Samstag. Das hat mich anfangs sehr überrascht, weil am Samstag ja auch viele Jugendlichen lieber zusammen trinken oder feiern gehen. Aber sie kommen zum Sport. Das finde ich toll“, sagt er. Zur Zeit trainieren Bunk und seine Schützlinge für das Fußball-Hallenturnier in Stolzenau, das am Freitag, 29. Dezember, vom VfB Stolzenau ausgerichtet wird. „Wir haben fitte Jungs dabei. Wir holen uns den Pokal. Am Ende zählt allein der Wille, und den haben wir alle hier. Wir verlangen von den Jungs und Mädels keine Teilnahmegebühr, es ist alles freiwillig und kostenlos“, so Bunk.

Wer die Gruppe beim Training beobachtet, spürt schnell, mit wieviel Energie und Freude die Jugendlichen bei der Sache sind. Sie laufen durch die Halle, lachen, die Gemeinschaft wird spürbar, aber auch der Ehrgeiz beim Fußball. „Fußball ist das, was mir am meisten Spaß bringt. Ich bin sehr gerne dabei. Die Gemeinschaft ist toll. Das ist ein tolles Projekt“, erzählt Kevin Horstmann. Der 17-Jährige war am vergangenen Mittwoch das dritte Mal dabei. „Ich werde auf jeden Fall wieder kommen“, sagt er. Franziska Schafrik (27) ist seit einem Monat aktiv im Verein dabei. Sie ist begeistert von dem Teamgeist, der in der Gruppe herrscht. „Wir stehen hier füreinander ein und lassen uns nicht im Stich“, sagt sie. Das Fußballspielen macht auch ihr großen Spaß. „Mein sechsjähriger Sohn ist im Fußballverein. Bisher habe ich immer ihn angefeuert, jetzt feuert er mich an“, sagt sie. Sie ist sich sicher: „Wir werden das Turnier gewinnen, weil wir gut sind und Power haben!“

Wer sich über Willy Bunk und den Verein „378 Grad“ informieren möchte, erreicht ihn telefonisch unter 0173/ 683 54 15 oder unter w. bunk(at)stolzenau378.de per E-Mail.

Spiel, Spaß und Gemeinschaft stehen im Verein „378 Grad“ im Mittelpunkt. © Die Harke

Beitrag „Die Harke“ vom 4.12.2017